Zahnlos im Löwenkäfig
Der hessische Norden bleibt für Bornheims Fußballerinnen weiterhin ein ungeliebtes Terrain: Wie schon in der Vorsaison musste sich die SG bei ihrem Gastspiel beim KSV Hessen Kassel geschlagen geben und trat mit einer 0:1-Niederlage im Gepäck die Heimreise nach Frankfurt an. Am Ende stand die bittere Erkenntnis, mehr an sich selbst als an den Gegnerinnen gescheitert zu sein.
Ebenfalls erfolglos blieb Bornheims 1b, die im innerstädtischen Derby bei der bis dahin noch sieglosen Spvgg. Fechenheim mit 1:2 den Kürzeren zog. Für den einzigen Lichtblick des Spieltages sorgte hingegen die 1c, die über die zweite Mannschaft der Fechenheimerinnen zuvor mit 4:0 die Oberhand behalten hatte.
In der vom KSV auf einem Stadionbanner als „Löwenkäfig“ bezeichneten Anlage am Sportzentrum Kassel präsentierte sich Bornheim im Duell mit den Kasseler Löwinnen über weite Strecken eher als zahnloser Tiger. Zwar verlief die Partie weitgehend ausgeglichen, doch verfügten die Gastgeberinnen insgesamt über etwas mehr Biss.
Nach einem munteren Auftakt mit einer ersten Freistoßgelegenheit für Bornheim durch Ayana Toyoda sowie einem Lattentreffer des KSV durch Franziska Koch entwickelte sich in den ersten 45 Minuten eine Begegnung auf Augenhöhe. Bornheim gelang es bei Ballgewinn zwar immer wieder, schnell in die Spitze umzuschalten, erlaubte sich nicht nur im gegnerischen Sechzehner jedoch zu viele technische Unsauberkeiten, um zwingende Torgelegenheiten zu kreieren. Kam der Ball mal auf das Tor, fehlte meist die notwendige Abschlussqualität.
Auf der Gegenseite stellte Kassels Rechtsaußen Franziska Koch die Bornheimer Defensive immer wieder vor Herausforderungen. Die beste Chance für Bornheim vergab Lilly Wiegelmann nach 24 Minuten, als sie im Strafraum an Kassels Schlussfrau scheiterte. Noch vor der Pause verhinderte Bornheims Torhüterin Zerikan Atakci mit einer starken Fußabwehr den Rückstand (26.).
Den besseren Auftakt in Halbzeit zwei erwischte der KSV, als Bornheims Defensive einen Versuch der Gastgeberinnen erst auf der Linie klären konnte (52.) Hatte das Team von Trainer Tarik Cosovic bis dahin gut verteidigt, war es nach 70 Minuten dann doch soweit: Nach einer Ecke stimmte die Zuordnung in der Bornheimer Abwehr kurzzeitig nicht, was Marie Wahler aus kurzer Distanz zum 1:0 für Kassel nutzte.
In den Schlussminuten warf Bornheim alles nach vorne. Nach einem Foul an Nola Bawidamann entschied der Schiedsrichter in der 80. Minute folgerichtig auf Strafstoß, doch Kassels Keeperin Julia Bläser konnte den Schuss von Anna Lena Trapp parieren. Auch der anschließende Kopfball von Clara von Oettingen nach einer von Lara Flasdick getretenen Ecke wurde zur Beute von Bläser, die damit endgültig zur Matchwinnerin für ihr Team wurde.
Wenig verwunderlich, dass Trainer Tarik Cosovic am Ende der 90 Minuten deutlich hörbar angefressen war: „Wir haben heute nichts von dem, was wir uns vorgenommen haben, auf den Platz gebracht und die Basics vermissen lassen. Insgesamt war das von allen viel zu wenig.“
Durch die zweite Niederlage in Folge ist Bornheim im Klassement auf Platz 5 abgerutscht. In der Summe hat man sich diese Niederlage allerdings selbst zuzuschreiben. „Heute hat bei fast allen der Fokus völlig gefehlt. Wir hatten insgesamt viel zu viele Fehler in unserem Spiel und haben vor dem gegnerischen Tor die Kaltschnäuzigkeit vermissen lassen“, war auch Bornheims Sportlicher Leiter Christoph Schaaff unzufrieden mit dem Auftritt der Mannschaft. „Am Ende heißt es aus solchen Niederlagen die richtigen Rückschlüsse zu ziehen und aus ihnen zu lernen“, fand Schaaff
Ähnlich unzufrieden, zeigte sich Trainer Chris Dietz nach der 1:2-Niederlage gegen Fechenheim. Dabei haderte Dietz vor allem mit der personellen Situation: „Aufgrund einiger Ausfälle mussten wir auf einigen Positionen umstellen. Zudem hatten wir Spielerinnen im Aufgebot, die zuvor schon 90 Minuten bei der 1c im Einsatz waren.“
Fechenheim überzeugte spielerisch kaum, war aber mit langen Bällen auf die Ex-Bornheimerin Laura Predoi immer wieder erfolgreich, die per Doppelpack (10./34.) für die 2:0-Pausenführung sorgte. Nach dem Seitenwechsel hatte Bornheim das Geschehen besser im Griff. Mehr als der Anschlusstreffer durch Emily Siebertz (53.) sprang jedoch nicht heraus, da beste Chancen teils überhastet vergeben wurden.
„Ab der 70. Minute hatten wir wieder mehr Zugriff und hätten das 2:2 erzielen können. Ärgerlich, dass es nicht gereicht hat“ musste sich der Coach aber mit der Niederlage seiner Elf abfinden.
Somit war es Bornheims 1c vorbehalten, für den einzigen Lichtblick des Spieltages zu sorgen. Zur Spielerin des Tages avancierte dabei Sabrina Grebe, die einen Dreierpack zum klaren Erfolg beisteuern konnte. Bereits vor der Pause hatte Grebe mit ihrem 0:1 (29.) für die verdiente Bornheimer Führung gesorgt, bevor sie unmittelbar nach Wiederanpfiff mit dem 2:0 (47.) ihren zweiten Treffer nachlegen konnte. Nur 4 Minuten später war es Dilara Günes, die auf 3:0 (51.) erhöhen konnte. Den Schlusspunkt setzte schließlich erneut Grebe, die mit ihrem Treffer Nr. 3 (63.) bereits nach etwas mehr als einer Stunde den Endstand herstellen konnte. Trotz allem hätte das Resultat am Ende aber noch deutlich höher ausfallen können, wenn Bornheim seine darüber hinaus zahlreich vorhandenen Torgelegenheiten etwas konsequenter hätte nutzen können.
Mit 6 Punkten aus 3 Spielen rangiert das Team aktuell auf Platz 4. Spielertrainerin Nicole Pöltl zog trotz einiger personeller Experimente ein zufriedenes Fazit: „Die Marschroute bleibt nach wie vor unverändert. Wir wollen unabhängig von Ergebnissen guten Fußball spielen und Spaß haben“, so Pöltl und ergänzte schmunzelnd.: „Wir betrachten uns eher als weibliche Soma.“
C.S.