Bornheims fehlende Konstanz
Erneute Pleite für Bornheims Fußballerinnen in der Hessenliga: Auch im Match beim KSV Hessen Kassel 2 musste sich die SG geschlagen geben und mit einer 1:2-Niederlage die Heimreise nach Frankfurt antreten. Einmal mehr stand am Ende die Erkenntnis, das 45 gute Minuten nicht ausreichen, um in Hessens höchster Spielklasse 3 Punkte einfahren zu können.
Während Bornheim beim 0:6 in Lütter die erste Halbzeit für sich verbuchen konnte, war es in Kassel Halbzeit 2, die die SG im Vorteil sah. Auch diesmal zu wenig, um in Anbetracht des 0:2-Rückstandes zur Pause, nach dem Schlusspfiff zumindest einen Zähler im Gepäck haben zu können. Ehrlicherweise musste man sich gleichzeitig aber auch eingestehen, dass ein möglicher Punktgewinn aufgrund der klaren Dominanz des KSV im ersten Durchgang, nicht unbedingt verdient gewesen wäre.
Die Gastgeberinnen hatten das Spielgeschehen im nasskalten nordhessischen Nieselregen bis zur Pause eindeutig bestimmt, wohingegen Bornheim in Anbetracht einer nicht wirklich hessenligatauglichen Vorstellung nur mit größter Mühe einen noch höheren Rückstand hatte verhindern können.
Nach knapp 20 Minuten hatte Nina Dietrich zunächst für den Führungstreffer des KSV gesorgt. Allerdings ging diesem Treffer nach Ansicht der Bornheimerinnen ein Handspiel einer Kasselaner Spielerin voraus. Der Unparteiische wollte dieser Einschätzung aber nicht folgen. Auch dem 2:0 (28.) ging eine diskutable Entscheidung des Schiedsrichters voraus, der nach einer unübersichtlichen Situation im Bornheimer Strafraum auf Elfmeter für den KSV entschied. Marie Wahler zeigte sich sicher vom Punkt und ließ ihr Team damit mit einem 2-Tore-Vorsprung in die Halbzeitpause gehen.
Von auch nur ansatzweise gefährlichen Bornheimer Offensivaktionen war bis zu diesem Zeitpunkt nur wenig zu sehen gewesen. Stattdessen tauchten die Gastgeberinnen immer wieder gefährlich vor dem Bornheimer Tor auf und lediglich die überragende Leistung von Keeperin Lara Krämer, sowie die notwendige Portion Glück verhinderten weitere Kasseler Treffer.
Hatte man zu diesem Zeitpunkt ein erneutes Auswärtsdebakel für Bornheims Aufsteigerinnen befürchten müssen, präsentierten sich diese in Halbzeit zwei von einer völlig anderen Seite. Von jetzt an mit deutlich mehr Leidenschaft und Präsenz im eigenen Spiel, gelang es nun mehr und mehr zu gefährlichen Aktionen vor dem Kasseler Tor zu kommen. Nachdem Jule Schanbacher nach 60 Minuten mit der bis dahin besten Aktion nur die Latte des gegnerischen Tores getroffen hatte, war es kurz darauf Selena Botthof, die mit ihrem Schuss das Tor nur knapp verfehlte.
Trotz des jetzt deutlich gestiegenen Drucks fehlte es Bornheim aber auch diesmal an der nötigen Konsequenz, um das Tor der Heimelf häufiger in Gefahr zu bringen. So reichte es schließlich nur noch für den 1:2 (88.) Anschlusstreffer durch Louise Wiegelmann, der das Blatt aber nicht mehr entscheidend wenden konnte.
„In der ersten Halbzeit waren wir zu langsam und zu lethargisch“ bemängelte Trainer Tarik Cosovic den Auftritt seiner Mannschaft im ersten Spielabschnitt. „Die zweite Halbzeit war eine Energieleistung der gesamten Mannschaft und wir waren deutlich präsenter. Deshalb haben wir uns folgerichtig die ein oder andere Torgelegenheit erspielt und hätten mit etwas Glück auch einen Punkt mitnehmen können. So ist es am Ende bitter, dass wir wieder mit leeren Händen dastehen“, fand Cosovic und ergänzte: „Ein Erfolgserlebnis würde uns sicherlich extrem helfen, wieder in die Spur zurückzufinden“
Auf dem Weg zu eben jenem Erfolgserlebnis ist es jedoch sicherlich nicht hilfreich, dass Cosovic Woche für Woche mit verletzungs- und krankheitsbedingten Ausfällen sowie anderweitiger Absagen umgehen muss, die ein Zurückkehren in die Erfolgsspur mit Sicherheit nicht einfacher machen.
Durch die erneute Niederlage ist Bornheim vorerst auf einen Abstiegsrang abgerutscht und wartet auch weiterhin auf den ersten Pflichtspielsieg im Jahr 2026. Am Ostersamstag empfangen die Bornheimerinnen mit dem TSV Klein Linden einen Mitaufsteiger an der Berger Straße und wollen versuchen, mit einem Erfolg Anschluss an das Mittelfeld zu behalten.
Dies dürfte allerdings keine leichte Aufgabe werden, da Klein-Linden alles andere als einen klassischen Aufsteiger darstellt. Zu Beginn der Saison hatte sich der TSV mit mehreren Spielerinnen aus dem Kader des ehemaligen Regionalligisten FSV Wetzlar verstärkt und belegt aktuell Platz 6 im Klassement der Hessenliga. Schon das Hinspiel hatte der TSV -wenn auch knapp- mit 3:2 für sich entscheiden können. Dementsprechend hoch werden die Trauben wohl am kommenden Samstag für die Gastgeberinnen hängen.
Auch Trainer Chris Dietz von Bornheims 1 b hat derzeit mit fehlender Konstanz und personellen Ausfällen zu kämpfen und kommt tabellarisch nicht wirklich vom Fleck. Für das Spiel beim Tabellenletzten VFB Friedberg konnte der Bornheimer Coach gerade einmal 12 Spielerinnen aufbieten, was aber dennoch reichen sollte, um dem Ligaschlusslicht Paroli bieten zu können.
Bereits früh, hatte Livia Lass die SG mit 0:1 (05.) in Führung schießen können und lieferte damit den Auftakt für ein 6-Tore-Spektakel im ersten Durchgang. Nur wenig später war es Luana Marino, die mit dem 1:1 (15.) für den VFB egalisieren konnte. Die schnelle Bornheimer Reaktion erfolgte durch Darina Prissjashnik, die bereits 3 Minuten später die erneute Führung markierte.
Dem 1:3 (31.) durch Meret Wiemer, ließ Stefanie Löw den Anschlusstreffer zum 2:3 (40.) folgen, bevor Xenia Plesowski kurz vor dem Halbzeitpfiff mit dem 2:4 (44.) den Schlusspunkt unter eine höchst ereignisreiche erste Halbzeit setzte.
Nach Wiederbeginn ließen es beide Teams vor den Toren deutlich ruhiger angehen. Ein weiterer Bornheimer Treffer durch Vera Klingebiel (66.) sorgte schließlich schon früh für eine Vorentscheidung und sicherte Bornheim den fest eingeplanten Dreier.
Nach dem Auf und Ab der letzten Wochen brachte es eine Bornheimer Spielerin auf den Punkt: „Wir sind unberechenbar für alle Gegner, sogar für uns selbst“, und traf mit dieser Aussage ziemlich genau ins Schwarze.
In Anbetracht des klaren Erfolgs, war Trainer Chris Dietz trotz der zuletzt schwankenden Leistungen und der 2 Gegentore durchaus zufrieden: „Wir haben das Spiel über weite Strecken bestimmt, haben aber in der ersten Halbzeit etwas zu luftig verteidigt. Das haben wir nach der Pause besser gemacht und hätten dann noch das ein oder andere Tor mehr erzielen können. Wir waren aber manchmal zu hektisch und zu ungenau und haben die Situationen nicht sauber genug ausgespielt“, bemängelte Dietz. „In der Summe war das aber eine gute Vorstellung von uns.“
Auch Bornheims 1 b wird am Ostersamstag im Einsatz sein und trifft dann vor heimischer Kulisse auf den Tabellenzweiten SG Haitz II. Auch hier wird Dietz aufgrund der Abwesenheit zahlreicher Spielerinnen mit einem dezimierten Kader an den Start gehen müssen. Im Falle einer Niederlage und einem zeitgleichen Sieg des aktuellen Spitzenreiters Mittelbuchen II würde der Rückstand auf das Spitzenduo allerdings auf 8 bzw. 6 Punkte anwachsen, zudem hat Haitz bislang noch ein Spiel weniger absolviert.
„Wir müssen realistisch sein und zur Kenntnis nehmen, dass ein Aufstieg spätestens bei einer Niederlage gegen Haitz allenfalls noch ein theoretisches Konstrukt ist“, findet Abteilungsleiter Christoph Schaaff. „Trotzdem werden wir am Samstag alles versuchen was möglich ist.“
CS