Das Zünglein an der Waage

Drei, wenn auch völlig unterschiedliche Erfolgserlebnisse feierten Bornheims Fußballerinnen am vergangenen Spieltagswochenende.

Während Bornheims Erste im Gastspiel beim bereits feststehenden Absteiger SV Winterkasten klar mit 0:4 die Oberhand behielt, kam Bornheims Zweite zu  3 kampflosen Punkten. Da der FC Gudesding das Nachbarschaftsderby aufgrund von Personalmangel kurzfristig absagen musste, wurden der SG die Punkte kampflos zugesprochen.

Einen Achtungserfolg verbuchte das Kreisligateam von Trainer Christian Walter, dass mit einem 2:2 beim Tabellenführer FV 09 Eschersheim einen Punkt entführen konnte und damit voraussichtlich entscheidend in das Aufstiegsrennen eingegriffen haben könnte.

Durch das Remis der Eschersheimerinnen konnte der EFC Kronberg Platz 1 übernehmen und hat dadurch einen Spieltag vor Saisonende den Aufstieg in die KOL nun in der eigenen Hand.

Hoch zufrieden war Coach Christian Walter dann auch mit der Leistung seiner Elf: „Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute ein tolles Spiel abgeliefert und waren nach dem unerfreulichen Hinspiel  bis in die Haarspitzen motiviert. Das war diesmal unsere wohl beste Saisonleistung“

Zwar war der Favorit durch einen eigentlich als Flanke gedachten Schuss von Zoe Ahlf nach 27 Minuten in Führung gegangen, jedoch konnte Bornheim durch Rina Querimi noch vor dem Seitenwechsel (37.) ausgleichen. Als Susana Gebru mit einem satten Distanzschuss aus fast 30 Metern zum 1:2 (64.) ihr Team sogar in Front gebracht hatte, schien die aus Bornheimer Sicht große Überraschung zwischenzeitlich zum Greifen nah.

Der Ausgleichstreffer zum 2:2 (76.) von Franziska Benzin, die einen von Keeperin Alexa Mächling verschuldeten Foulelfmeter sicher verwandeln konnte, rettete dem bisherigen Spitzenreiter dann aber zumindest doch noch das Remis, nicht aber den Erhalt der Tabellenführung.

Dennoch war Walter mit der Punkteteilung durchaus zufrieden; „Natürlich hätten wir insbesondere nach der Führung gerne 3 Punkte mitgenommen, aber auch mit dem einen Zähler können wir ganz gut leben. Dass wir am Ende im Meisterschaftsrennen vielleicht das berühmte Zünglein an der Waage sein könnten, macht das Ganze noch etwas erfreulicher“, bemerkte Walter mit einem Augenzwinkern.

Nicht ganz so zufrieden, war Walters Trainerkollege Thomas Stein von Bornheims Erster. „In der ersten Halbzeit hatten wir wieder einmal eine 30-minütige Phase, wo wir zu wenig Intensität in unserem Spiel hatten und den Gegner stark gemacht haben. Nach dem Seitenwechsel haben wir das Spiel aber wieder komplett übernommen und waren sowohl im Spiel mit Ball als auch im Pressing wieder das deutlich bessere Team“ lautet das Fazit von Stein.

Auch in diesem Match musste Bornheims Coach auf die nach wie vor verletzten Stammkräfte Vanessa Kempf und Marie Fries verzichten und zudem noch weitere nicht zur Verfügung stehende Spielerinnen ersetzen.

Der Schachzug von Stein, in Anbetracht eines fehlenden Sturms, diesmal Mittelfeldmotor und Spielführerin Sarah Schielke weiter nach vorne zu schieben, lies am Ende die Not zur Tugend werden.

So war es Schielke, die am Ende mit einem 3er-Pack den Bornheimer Sieg fast im Alleingang sicherte und darüber hinaus auch noch die ein oder andere gute Gelegenheit ausließ, ihr Tore-Konto weiter aufzustocken.

Keine zwei Minuten waren im idyllischen Winterkasten im Odenwald von der Uhr gelaufen, als Schielke ihren ersten Treffer gelandet und Bornheim nach einem Schnitzer der heimischen Defensive mit 0:1 nach vorne gebracht hatte.

Auch im weiteren Verlauf der ersten 45 Minuten war es immer wieder Schielke, die mit gefährlichen Aktionen (23./25./37.) auf sich aufmerksam machte und zu einem ständigen Gefahrenherd für den SVW avancierte.

Wie so oft im Fußball, war es der erste wirkliche Abschluss des Gegners, der den bisherigen Spielverlauf fast auf den Kopf gestellt hätte. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff war es Saskia Hebel, die sich mit einem Heber aus gut und gerne 40 Metern versuchte und den Bornheimer Kasten damit nur denkbar knapp verfehlte.

Vielleicht war es auch ein wenig diesem Warnschuss geschuldet, dass Bornheim mit dem Start in Halbzeit zwei wieder konzentrierter zu Werke ging. Fast schon folgerichtig ließ Treffer Nr.2 von Schielke auch nicht lange auf sich warten, die mit einem platzierten Schuss in die lange Ecke (53.) Torhüterin Janina Jakobi keine Chance ließ.

Nachdem Jenny Zitnik und Vera Klingebiel weitere Gelegenheiten für Bornheim ausgelassen hatten, war es Schielkes dritter Streich an diesem Nachmittag, der für die Vorentscheidung sorgte. Mit einem sehenswerten Distanzschuss aus 30 Metern ins untere Toreck (75.) sorgte Bornheims Kapitänin damit auch gleichzeitig für den schönsten Treffer des Tages.

Nur eine Minute später war es Luzie Ottenheim, die mit ihrem Tor zum 0:4 (77.) den am Ende vielleicht sogar um das ein oder andere Tor zu niedrig ausgefallenen Sieg ihrer Mannschaft abrundete.

In den beiden jetzt anstehenden Heimspielen gegen den SC Dortelweil II und die SG Egelsbach warten zwei der potentiellen Aufstiegskandidaten für die Hessenliga auf das Team von Thomas Stein.

„Wir werden in beiden Spielen eine über 90 Minuten konzentrierte Leistung benötigen und ans Limit gehen müssen, wenn wir gegen die beiden Top-Teams etwas holen wollen“, mahnt Stein bereits im Vorfeld.

Mit entsprechenden Siegen könnte Bornheim auch in dieser Liga ein entscheidender Faktor bei der Vergabe von Meisterschaft und Relegation werden ohne aber noch selbst direkt in das Rennen einsteigen zu können.

„Dieses Jahr nehmen wir noch mit dieser Nebenrolle vorlieb“, sagt Bornheims Sportlicher Leiter Christoph Schaaff, „aber in der kommenden Saison werden wir das sicher nicht mehr“, kündigt Schaaff schon jetzt an.

C.S.