Himmel und Hölle

Unterschiedliche Gefühlslagen für Bornheims Fußballerinnen am vergangenen Spieltagswochenende. Während Bornheims 1 a in der Hessenliga ein Debakel erlebte, triumphierte die 1 b in der KOL auf ganzer Linie.

Trotz einer sehr guten ersten Halbzeit musste sich Bornheims Hessenliga-Team bei Tabellenführer TSG Lütter mit 0:6 geschlagen geben und kam dabei im ersten Auswärtsmatch des neuen Jahres am Ende der 90 Minuten komplett unter die Räder.

Ebenfalls 6 Treffer, allerdings auf der anderen Seite, gab es für Bornheims 1 b, die sich nach dem enttäuschenden Remis in der Vorwoche gegen Oberursel gut erholt zeigte und beim SC Riedberg mit 6:0 die Oberhand behielt.

Keine wirkliche Erklärung für Bornheims osthessisches Waterloo hatte Abteilungsleiter Christoph Schaaff: „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt und waren in den ersten 45 Minuten spielerisch die bessere Mannschaft. Warum wir danach derart eingebrochen sind, ist für mich nur schwer nachvollziehbar“, war Schaaff ein wenig ratlos.

Und in der Tat hatte sich die SG in der ersten Halbzeit mehr als nur auf Augenhöhe mit dem Spitzenreiter präsentiert. Immer wieder konnte Bornheim durch gute Ballstafetten und sicheres Passspiel überzeugen und sich angetrieben von ihrer starken „Zehnerin“ Luzie Ottenheim vielversprechend in die Nähe des gegnerischen Tores vorarbeiten. Was jedoch fehlte, war dieses Übergewicht in wirklich gute Torchancen umzumünzen und daraus Kapital in Form von Toren zu schlagen.

Die beste Torgelegenheit bot sich dabei Lilly Wiegelmann, die nach einem Zuspiel ihrer Schwester Louise mit einer Direktabnahme das Tor um Haaresbreite verfehlte. Auf der anderen Seite versuchten die Gastgeberinnen bei Ballgewinn über ihr schnelles Umschaltspiel vor das Bornheimer Tor zu gelangen. Wirklich große Torgefahr resultierte daraus aber nicht. So musste Keeperin Zerican Atakci lediglich zweimal eingreifen, um einen möglichen Gegentreffer zu verhindern.

Dass dieser Gegentreffer kurz vor der Pause schließlich doch noch fiel, war eher dem Zufall, als einem durchdachten Angriff der Osthessinnen geschuldet. Nach einem von der Bornheimer Defensive eigentlich schon geklärten Ball, schlug Lütters Vanessa Klaus den Ball aus gut und gerne 30 Metern in Richtung des Bornheimer Kastens, wo sich das Leder nicht nur zur Überraschung der Schützin hinter Atakci zum 1:0 (35.) ins Tor senkte. Dieser Treffer aus dem viel zitierten Nichts, brachte den Hausherrinnen schließlich die etwas schmeichelhafte Pausenführung ein.

In Anbetracht der Bornheimer Leistung im ersten Spielabschnitt, deutete zur Pause trotz des unverdienten Rückstands nichts darauf hin, dass der Tabellenachte am Ende derartig unter die Räder kommen würde. Dementsprechend optimistisch ging man im Bornheimer Lager in die zweiten 45 Minuten.

Den besseren Start nach der Pause erwischten jedoch die Gastgeberinnen. Gerade einmal 7 Minuten waren gespielt, als Verena Faulstich mit ihrem Treffer zum 0:2 (52.) den Bornheimer Hoffnungen den ersten Nackenschlag versetzte. Als Faulstich nur 5 Minuten später sogar das 0:3 nachlegen konnte schien es so, als seit dem Gästeteam von Trainer Adrian Pliske der Stecker endgültig gezogen.

In der Folge dominierte Lütter das Spiel nach Belieben, von dem guten und sicheren Kombinationsspiel der Bornheimerinnen aus Halbzeit eins war dagegen nichts mehr zu sehen. Nahezu ungestört konnte der Tabellenführer fortan das eigene Spiel durchbringen und legte durch Jana Bott (69.) sowie den dritten Treffer von Faulstich (76.) zwei weitere Tore nach. Den Schlusspunkt unter eine aus Bornheimer Sicht bittere zweite Halbzeit setzte schließlich die eingewechselte Lina-Marie Maikranz, die 10 Minuten vor dem Spielende das halbe Dutzend perfekt machte.

Zwar hätte Bornheims Lilly Wiegelmann kurz vor dem Ende noch den Ehrentreffer für Ihre Elf erzielen können, doch passte es an diesem Tag irgendwie ins Bild, dass auch dieser Ball nicht den Weg ins gegnerische Tor fand.

„Wie haben es in der ersten Halbzeit versäumt, uns für unser gutes Spiel zu belohnen“, urteilte Bornheims Co-Trainer Tarik Kosovic. „In der zweiten Halbzeit ist uns dann die taktische Grundordnung verloren gegangen und die Abstände waren zu groß. Wir müssen das Ergebnis, auch wenn es bitter ist, akzeptieren. Trotzdem ziehen wir aus diesem Match das heraus, was positiv war und nehmen es mit in die neue Trainingswoche“, wollte Kosovic trotz großer Frustration im Kreise der Spielerinnen keine Krisenstimmung aufkommen lassen.

Auch Schaaff schloss sich diesem Statement an: „Wir haben zwar nach den beiden ersten Rückrundenspielen 0 Punkte und 0:8 Tore, wir dürfen aber nicht übersehen, dass wir dabei gegen die beiden aktuell besten Teams der Hessenliga gespielt haben. In den kommenden Wochen warten auf uns Gegner, gegen die wir auf jeden Fall punkten wollen. Wenn wir so auftreten, wie heute in Halbzeit eins, wird uns das sicherlich auch gelingen“, blieb Schaaff trotz der Pleite optimistisch.

Als Stimmungsaufheller kam ihm dabei der überzeugende Erfolg von Bornheims 1 b beim SC Riedberg gerade recht. Hatte vielleicht so manch einer geglaubt, das Team von Trainer Chris Dietz würde nach dem scheinbar verpassten Zug in Richtung Aufstieg die Zügel schleifen lassen, belehrte die Mannschaft alle Skeptiker eines Besseren.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten fanden die Bornheimerinnen auf dem Frankfurter Riedberg aber schnell in Spiel und konnten durch einen Doppelpack von Aurelia Tillmann (23./26.) sowie einem Treffer von Livia Lass (25.) binnen 3 Minuten bereits vor der Pause für einen beruhigenden Vorsprung sorgen. Zuvor hatte Riedberg in der Anfangsphase der Partie allerdings 2 sehr gute Torgelegenheiten vergeben, so dass die klare Bornheimer Führung in ihrer Deutlichkeit durchaus schmeichelhaft war.

Auch nach dem Seitenwechsel ließ die SG nichts anbrennen. Nachdem das Match in Halbzeit zwei weitestgehend ereignislos verlief, konnte Sabine Abdulahi mit ihrem 12.Saisontreffer schließlich doch auf 4:0 (68.) erhöhen. Aurelia Tillmann, die mit ihrem dritten Treffer (80.) an diesem Nachmittag den Dreierpack perfekt machte, sowie Dilara Günes sorgten in der Nachspielzeit (90.+1) für den klaren Bornheimer Sieg.

Hoch zufrieden, war Bornheims Trainer Chris Dietz mit der Leistung seines Teams: Wir haben die Vorgaben insgesamt gut umgesetzt. Zudem hat uns die Spielweise des Gegners in die Karten gespielt. Insgesamt haben wir eine geschlossene Mannschaftsleistung gezeigt“, lobte Dietz.

Neben dem eigenen Erfolg sorgte im Bornheimer Lager auch der Umstand für Freude, dass die Konkurrenz im Kampf um Meisterschaft und Aufstieg überraschenderweise Punkte liegen ließ. Während Tabellenführer Haitz II in Bad Nauheim nicht über ein Remis hinauskam, verlor der 1.FC Mittelbuchen II bei Germania Ginnheim mit 1:2. Damit ist der Abstand der  Bornheimerinnen auf das Spitzenduo auf 4 Punkte geschrumpft.

„Nachdem die Tür für uns nach dem letzten Spieltag schon so gut wie zu war, ist sie jetzt wieder deutlich weiter offen. Trotzdem bleibt es nach wie vor ein weiter Weg zum Aufstieg, aber wir sind erstmal wieder im Rennen“, hofft Dietz auf eine positive Wende.

C.S.