Ein Punkt, zwei Gefühle
Am Ende wusste irgendwie niemand so recht, was man mit diesem Punkt anfangen sollte. Einerseits hatte man sich nach 90 umkämpften Minuten ein Unentschieden erarbeitet und damit zumindest etwas Zählbares mitgenommen, andererseits wäre aber auch mehr drin gewesen. Und genau das machte die Gefühlslage nach dem Abpfiff so schwer greifbar. Ein Punkt gewonnen oder doch 2 verloren? Die Antwort darauf lag irgendwo zwischen Erleichterung und Enttäuschung
Lange Zeit waren Bornheims Hessenligafußballerinnen dabei zum Saisonauftakt bei Aufsteiger Phönix Düdelsheim einem Rückstand hinterhergelaufen und taten sich nicht zuletzt wegen der schwierigen Platzverhältnisse über weite Strecken schwer.
Bereits früh war die auf insgesamt 4 Positionen mit Neuzugängen besetzte Bornheimer Elf nach einem Treffer von Jacqueline Schubert mit 0:1 (15.) ins Hintertreffen geraten. Einen schnellen Umschaltmoment der Gastgeberinnen konnte Schubert zum Führungstreffer nutzen, als sie nach einem langen Ball der Bornheimer Abwehr enteilen und schließlich auch Keeperin Zerikan Atakci umspielen konnte.
Im Gegenzug wäre für Bornheim der umgehende Ausgleichstreffer möglich gewesen, jedoch landete ein fast von der Mittellinie geschlagener Freistoß von Anna-Lena Trapp an der Querlatte des gegnerischen Kastens. Zwar offenbarte Bornheim im weiteren Verlauf der ersten Hälfte über weite Strecken die bessere Spielanlage, schaffte es aber nicht sich vor dem gegnerischen Tor zwingende Torgelegenheiten zu erspielen. Düdelsheim lauerte dagegen weiterhin auf geeignete Umschaltsituationen bei denen Bornheim durchaus immer wieder eine gewisse Anfälligkeit erkennen ließ. Da auf beiden Seiten weitere Torgelegenheiten ausblieben, ging es schließlich mit dem knappen Vorsprung für die Gastgeberinnen in die Halbzeitpause.
Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich vorerst nicht viel am bisherigen Spielverlauf. Während Bornheim auch weiterhin auf dem knochenharten, stumpfen und holprigen Untergrund versuchte die Angelegenheit spielerisch zu lösen, blieb Aufsteiger Düdelsheim bei seiner Taktik aus einer kompakten Abwehr heraus über Konterfußball den zweiten Treffer nachzulegen, Allerdings hatte die Bornheimer Defensive das jetzt deutlich besser im Griff und ließ vor dem eigenen Tor nur noch wenig zu.
Mit zunehmender Spieldauer gelang es der Gästeelf nun mehr und mehr, den Druck vor dem gegnerischen Tor zu erhöhen und sich dem zu diesem Zeitpunkt bereits hochverdienten Ausgleichstreffer zu nähern. Nach einem von Lara Flasdick in der 75. Minute getretenen Eckball war es schließlich so weit. Nachdem Düdelsheim den ersten Versuch zunächst noch hatte klären können, war es schließlich Lilly Wiegelmann, die im zweiten Anlauf Jolina Rahn im Düdelsheimer Tor mit einem platzierten Flachschuss überwinden konnte.
Mitten hinein in die Bornheimer Freude über den verdienten Ausgleichstreffer wäre es fast abermals Jacqueline Schubert gewesen die aus Bornheimer Sicht die Rolle der Spielverderberin hätte übernehmen können. Erneut frei vor dem Bornheimer Tor auftauchend, landet der Ball diesmal aber am Innenpfosten, der die SG vor einem weiteren Gegentreffer bewahrte.
In der Schlussphase der Begegnung hätte Bornheim sogar noch der Siegtreffer gelingen können, jedoch ließ das Team von Trainer Tarik Cosovic zwei weitere gute Torgelegenheiten ungenutzt. Zunächst war es Nola Bawidamann, die abermals nach einer Ecke das Tor per Kopf nur knapp verfehlte, bevor schließlich Lina Zeller nur wenig später aus kurzer Distanz an der herausragend reagierenden Jolina Rahn im Düdelsheimer Tor scheiterte.
So war man sich schließlich am Ende auch nicht wirklich sicher ob man sich über den gewonnenen Zähler freuen oder zwei verlorene Punkte ärgern sollte. In der Gesamtbetrachtung wollte sich Bornheims Sportlicher Leiter Christoph Schaaff mit Blick auf das Endergebnis dann auch nicht wirklich festlegen: „Einerseits hatte Düdelsheim nach unserem Ausgleichstreffer die Chance erneut in Führung zu gehen, auf der anderen Seite hätten aber auch wir insbesondere bei der Chance von Lina das Spiel auf unsere Seite ziehen können. Unter dem Strich müssen und können wir mit der Punkteteilung leben“, findet Schaaff.
Gleichzeitig verweist er darauf, dass aufgrund des erneuten Kaderumbruchs noch nicht alles perfekt aufeinander abgestimmt sein kann. Neben Greta Riemenschneider, Mara Hambrock und Luzie Ottenheim die sich auf längeren Auslandsaufenthalten befinden, steht auch Luana Balzer (Fußballpause) aktuell nicht zur Verfügung. Den Verein verlassen haben Emely Tran (SpVgg.05 Oberrad), Rie Odaira (FFV Ingelheim) und Vanessa Dörr (SV 09 Hofheim).
Mit Luisa Marie Gaudel, Maren Wolf und Nola Bawidamann (alle SC Dortelweil) konnten aber hessenligaerfahrene Spielerinnen verpflichtet werden, die die entstandenen Lücken kompensieren sollen. Mit Ayana Toyoda vom Regionalligisten FSV Mainz 05 II konnte eine weitere Spielerin nach Bornheim geholt werden, die insbesondere das Mittelfeld noch einmal verstärken soll.
Die Liste der Neuzugänge komplettieren Laura Martins Goller (SC Dortelweil) und Katharina Spieker (Eintracht Frankfurt III), die aber beide aufgrund längerer Verletzungspausen erst wieder an den Kader herangeführt werden müssen. Auch auf der Position der Torhüterinnen sieht man sich durch die Verpflichtung von Rebecca Kratoska (SC Dortelweil) in puncto Quantität und Qualität nochmals besser aufgestellt.
“Wenn alle fit und gesund bleiben, die Trainingsbeteiligung stimmt und die Neuzugänge gut integriert werden können, haben wir die Chance eine gute Runde zu spielen“, glaubt Schaaff. Dies wird in Anbetracht von bis zu 5 Absteigern aber auch notwendig sein, will man in Bornheim auch im Jahr 2 nach dem Wiederaufstieg die Klasse halten.
Auf den ersten Dreier mit Blick auf diese Mission, hofft man am kommenden Samstag, wenn es gegen Aufsteiger DSC Allendorf Eder geht. Auch wenn man sich dann zumindest auf dem Papier in der Rolle der Favoritinnen befindet, übt man sich in Bornheim in Zurückhaltung. „Allendorf wird uns sicher nicht den Gefallen tun und uns ins offene Messer laufen“, ist sich Trainer Tarik Kosovic der Herausforderung bewusst. „Wir werden vor allen Dingen offensiv Lösungen finden müssen um zum Torerfolg zu kommen, müssen gleichzeitig aber auch defensiv wachsam sein um nicht in Konter zu laufen“, weiß der Bornheimer Coach.
Klassischer Fehlstart hingegen für Bornheims neu formierte Dritte. Das mit einer Mischung aus älteren und erfahrenen Spielerinnen sowie einigen Nachwuchsspielerinnen zusammengestellte Team musste sich zum Auftakt in der Kreisliga A bei Türk Gücü Hanau mit 0:3 geschlagen geben. Das es am Ende nicht zu mehr reichte, lag nach Ansicht der Bornheimerinnen nicht zuletzt auch am Unparteiischen in der 53. Minute nach einem klaren und groben Foulspiel von Hanaus Dusanka Juko Jukic anstatt der fälligen Roten nur die gelbe Karte zückte. Mit dieser Entscheidung sorgte der Referee letztlich nicht nur im Bornheimer Lager für Verwunderung.
„Natürlich wollen wir unsere Niederlage nicht an diesem Umstand festmachen aber wenn der Schiedsrichter hier die einzig richtige Entscheidung trifft, spielen wir mehr als 30 Minuten in Überzahl“, gab Bornheims Trainerin Nicole Pöltl zu bedenken. Dass dies eine Schlüsselszene des Spiels werden sollte, wurde nicht zuletzt dadurch untermauert, dass eben jene Spielerin, die schon bereits für das 1:0 (19.) gesorgt hatte, in der Folge mit 2 weiteren Treffern (75./80.) das Match quasi im Alleingang entschied. Zur Wahrheit gehörte es an diesem Tag aber auch, das es Bornheim nicht gelingen wollte, sich gegen Liganeuling Hanau vor dem gegnerischen Tor entscheidend in Szene zu setzen.
Dennoch hielt sich in Anbetracht der Niederlage die Enttäuschung in Grenzen. „Wir sehen unsere dritte Mannschaft in erster Linie als Möglichkeit, weiteren Spielerinnen eine wettkampforientierte Spielmöglichkeit ohne Leistungs- und Erfolgsdruck ermöglichen zu können. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir unsere Spiele nicht gewinnen wollen, aber der Erfolg steht nicht auf Platz 1 der Prioritätenliste“, sagt Schaaff.
Natürlich hoffen die Bornheimerinnen gerade nach der Niederlage zum Auftakt. am kommenden Sonntag beim Heimspiel gegen den SC Weiß Blau Frankfurt auf ein besseres Ergebnis. „Wir wissen, dass wir trotz der heutigen Niederlage einen guten und routinierten Kader haben und wollen das am kommenden Sonntag auf dem eigenen Platz auch sichtbar machen“ hofft Schaaff auf die ersten 3 Punkte.
C.S.