Bornheims märchenhafter Start
Das war ein hartes Stück Arbeit! Mit einem denkbar knappen, aber verdienten 1:0-Erfolg gegen den Tabellenletzten TSV Klein-Linden konnten Bornheims Hessenliga-Fußballerinnen ihre aktuelle Erfolgsserie weiter ausbauen. Durch den dritten Sieg im vierten Spiel hat die Elf von Trainer Tarik Cosovic nun bereits zehn Zähler auf dem Punktekonto und klettert damit sensationell an die Tabellenspitze des hessischen Oberhauses. In Anbetracht des Fast-Abstiegs in der vergangenen Saison ein nahezu perfekter und märchenhafter Traumstart!
Trotz der eigenen spielerischen Überlegenheit musste die SG jedoch bis zum Schlusspfiff um den Dreier bangen. Dies lag nicht zuletzt daran, dass Bornheim einmal mehr eine gewisse Nachlässigkeit bei der Chancenverwertung an den Tag legte. Mit dem Auswärtserfolg der Vorwoche in Lütter im Rücken ging die SG mit entsprechend viel Selbstvertrauen in die Partie. Das Ziel war klar gesteckt: Drei Punkte sollten her, um sich vor dem kommenden Duell gegen Top-Favorit BG Marburg eine optimale Ausgangsposition zu verschaffen.
Dass dies in Anbetracht zahlreicher Ausfälle kein Selbstläufer werden würde, war allen Beteiligten bewusst. Neben dem abwesenden Sturmduo Lilly und Louise Wiegelmann musste Cosovic auf weitere verhinderte oder verletzte Spielerinnen verzichten. Dementsprechend standen mit Darina Prissjashnik und Xenia Plesowski zwei Akteurinnen aus dem Aufgebot der 1B im Kader. Zudem feierte Sommerneuzugang Louisa Schreiber ihr Startelf-Debüt im Bornheimer Trikot.
Die SG startete mit viel Energie und hätte sich bereits nach vier Minuten belohnen können: Nach einem Querpass im gegnerischen Sechzehner traf Lina Zeller jedoch nur das Lattenkreuz. Auf der Gegenseite bot sich den Gästen nach 12 Minuten die erste Gelegenheit, doch Keeperin Hannah David entschärfte den Versuch souverän.
Zwar gab die SG die Spielkontrolle danach kurzzeitig aus der Hand, fand aber schnell wieder in die Spur. In der 21. Minute war es schließlich Debütantin Louisa Schreiber, die Bornheim mit 1:0 in Führung brachte. Sie profitierte dabei von einem verhängnisvollen Querpass der Klein-Lindener Hintermannschaft, den sie reaktionsschnell erlief und überlegt im Kasten versenkte.
Noch vor der Pause boten sich Lina El Bakhchouch (32.) und Lina Zeller (43.) zwei weitere erstklassige Torgelegenheiten, die jedoch ungenutzt blieben. Zur Pause hatte die aus Bornheimer Sicht etwas magere Ein-Tore-Führung weiterhin Bestand. Bis dahin hatten sich die Gastgeberinnen vor allem über die linke Angriffsseite immer wieder gut in Szene setzen können, allerdings fehlte es in der Box oft an der nötigen Strafraumbesetzung.
Mit Beginn der zweiten Halbzeit bot sich den Zuschauern ein anderes Bild und das Match sollte sich aus Bornheimer Sicht völlig überflüssigerweise zu einer Zitterpartie entwickeln. Während Klein-Linden sich nun mehr Spielanteile sichern konnte, agierte Bornheim zu passiv und ließ das eigene Spielniveau abgleiten.
Die größte Chance zum Ausgleich bot sich den Gästen im Anschluss an einen Eckball (50.), als Kapitänin Susanne Seelbach den Ball per Kopf nur knapp am Bornheimer Gehäuse vorbeisetzte. In der 63. Minute brannte es erneut lichterloh vor dem Bornheimer Tor. Hannah David hielt den Sieg jedoch mit einer Glanzparade gegen den Schuss von Lea Marie Schlösser fest und klärte zur Ecke.
Erst in den letzten zehn Minuten gelang es den Bornheimerinnen wieder, mehr Präsenz vor dem gegnerischen Tor zu zeigen. Zwei Minuten vor dem Spielende hatte Nola Bawidamann das 2:0 auf dem Fuß, verpasste jedoch die endgültige Entscheidung. So musste Bornheim bis zum erlösenden Schlusspfiff zittern.
Trainer Tarik Cosovic zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden, sparte jedoch nicht mit Kritik an der Leistung: „Das war heute kein gutes Spiel von uns. Wir hatten eigentlich genug Chancen auf ein zweites oder drittes Tor und haben es verpasst, den Sack vorzeitig zuzumachen. Bei den Gelegenheiten des Gegners hat uns Hannah mit guten Paraden im Spiel gehalten. Die erste Halbzeit war okay, in der zweiten haben wir aber nicht mehr viel Fußball gespielt. Wir hatten eine schwierige Trainingswoche, mit vielen Ausfällen sowie angeschlagene und kranke Spielerinnen. Am Ende haben wir das Match über den Kampf auf unsere Seite gezogen“, lobt Bornheims Trainer die Einstellung seines Teams.
Durch den Erfolg kommt es am nächsten Spieltag an der Berger Straße zum absoluten Gipfeltreffen zwischen der SG Bornheim und dem Meisterschaftsfavoriten SF Blau-Gelb Marburg.
Für Bornheims sportlichen Leiter Christoph Schaaff spielt die aktuelle Momentaufnahme eine untergeordnete Rolle: „Natürlich blicken wir mit ein bisschen Stolz auf die Tabelle, die aufgrund der unterschiedlichen Anzahl an Spielen aber noch sehr verzerrt ist. Wenn wir Marburg in Schwierigkeiten bringen wollen, müssen wir einen absoluten Sahnetag erwischen. Aber die Mannschaft wird alles daran setzen, erneut für eine positive Überraschung zu sorgen.“
Für das Spitzenspiel kann Trainer Cosovic voraussichtlich wieder auf seine Bestbesetzung zurückgreifen: „Mit unserer bisherigen Leistung haben wir uns dieses Spitzenspiel verdient und werden die Aufgabe mit dem notwendigen Selbstvertrauen angehen. Wir wollen und müssen dann aber auf jeden Fall wieder besseren Fußball spielen als heute“, mahnt Cosovic.
C.S.