Zurück auf dem Boden der Realität
Erste Saisonniederlage für die Hessenliga-Fußballerinnen der SG Bornheim: Mit einem 1:3 (0:1) vor heimischer Kulisse gegen den Meisterschaftsfavoriten SF Blau Gelb Marburg mussten die Bornheimerinnen erstmals in dieser Spielzeit den Platz als Verlierer verlassen. Gleichzeitig zog Marburg in der Tabelle an der SG vorbei und ist jetzt seinerseits Tabellenführer. Nach dem Höhemflug ist Bornheim damit erst einmal wieder auf dem Boden der Realität angekommen. Grund zur Freude hatte dagegen Bornheims 1B, die den TSV Höchst beim 4:0-Heimerfolg klar in die Schranken verwies.
Zum Gipfeltreffen an der Berger Straße lockte das spätsommerliche Wetter zwar zahlreiche Zuschauer an, die hochklassige Partie hätte jedoch durchaus eine noch größere Kulisse verdient gehabt. Den Anwesenden boten beide Teams über die gesamten 90 Minuten ein unterhaltsames und attraktives Match.
Von der ersten Minute an machte Marburg deutlich, dass es die Favoritenrolle nicht nur auf dem Papier einnehmen wollte. Die Gäste attackierten die Elf von Trainer Cosovic früh in deren Hälfte und unterbanden so einen konstruktiven Bornheimer Spielaufbau. Mit einem schnellen, präzisen Umschaltspiel nach Ballgewinn fand Blau Gelb immer wieder freie Räume und drang dabei in Richtung Bornheimer Tor vor. Nennenswerte Großchancen blieben zunächst aber aus.
Stattdessen gaben die Bornheimerinnen nach knapp zehn Minuten den ersten Torschuss ab, brachten Marburgs Keeperin Karina Peppler damit jedoch nicht ernsthaft in Bedrängnis. Insgesamt wirkte Marburg im ersten Durchgang agiler und handlungsschneller und überzeugte durch eine enorme Laufbereitschaft. Bornheim fand daher kaum Lücken in der gegnerischen Defensive um sich aussichtsreich in Position zu bringen.
In der 17. Minute belohnten sich die Gäste: Marie Pietschmann erzielte das 1:0 und schoss ihr Team damit an die Tabellenspitze. Vor dem Seitenwechsel verhinderte das Aluminium (38./41.) des Bornheimer Gehäuses noch zweimal einen höheren Rückstand. Obwohl Bornheim bis dahin kämpferisch stark dagegenhielt, blieben eigene zwingende Torgelegenheiten Mangelware.
Auch nach dem Wiederanpfiff dominierte Marburg. In der 52. Minute zwang Natalie Erbes Bornheims Torhüterin Hannah David zu einer spektakulären Flugeinlage, die den Ball gerade noch mit den Fingerspitzen um den Pfosten lenken konnte. Wenig später war der Druck aber dann doch zu groß: Ein Fehler im Bornheimer Spielaufbau brachte Marburg in Ballbesitz, den Ann Kathrin Kundermann zum 2:0 (59.) nutzte – aus Sicht der Gastgeberinnen ein absolut vermeidbarer Treffer.
Als die Gäste kurz darauf bei einem Lattenschuss den dritten Treffer nur um Haaresbreite verpassten, drohte die SG kurzzeitig unter die Räder zu kommen. Doch Bornheim bewies Moral. Eine der wenigen Unachtsamkeiten der Marburger Abwehr nutzte Lilly Wiegelmann in der 69. Minute zum 1:2-Anschlusstreffer.
In der Folge wackelte das Spiel für einen kurzen Moment, die Hoffnung hielt jedoch nicht lange: Keine zehn Minuten später stellte Anna Efimenko mit einem Geniestreich – einem Distanzschuss aus über 30 Metern – den alten Abstand wieder her und sorgte für die endgültige Entscheidung (78.).
Trotz der Niederlage war die Stimmung im Bornheimer Lager nicht von Enttäuschung geprägt. „Wir wussten um die Qualität des Gegners und dass es brutal schwer werden würde zu punkten“, stellte Bornheims Sportlicher Leiter Christoph Schaaff sachlich fest. „Im Moment sehe ich kein anderes Team, das Marburg in dieser Saison ernsthaft gefährlich werden könnte.“
Auch Trainer Cosovic zeigte sich mit dem Auftritt seiner Elf einverstanden: „Wir haben auch heute wieder 90 Minuten gekämpft und uns gewehrt. Nach dem Anschlusstreffer hatten wir das Momentum für einen Augenblick auf unserer Seite. Am Ende hat ein Geniestreich zum 3:1 das Spiel entschieden.“ Am kommenden Wochenende reist Bornheim zur Reserve des Regionalligisten KSV Hessen Kassel. „Die heutige Niederlage wird uns keinesfalls umwerfen. Wir nehmen das Positive aus dem heutigen Match mit und wollen in Kassel wieder punkten“, kündigte Cosovic an.
Weiterhin in der Erfolgsspur bleibt derweil Bornheims 1B nach dem klaren Heimerfolg gegen den TSV Höchst. Die SG kontrollierte die gesamten 90 Minuten, konnte aber eher nur in der ersten Halbzeit glänzen.
Dass der zweite Durchgang aus Sicht von Trainer Chris Dietz etwas durchwachsener ausfiel, lag wohl auch an den frühen, klaren Verhältnissen zur Pause. Innerhalb von nur zehn Minuten schossen Xenia Plesowski (20.), Clara von Arnim (25.) und Lilly Reichardt (29.) eine komfortable 3:0-Führung heraus.
Nach dem Seitenwechsel ließ es der Gruppenliga-Aufsteiger ruhiger angehen und verwaltete den Vorsprung. Da der TSV dem Bornheimer Spiel wenig entgegenzusetzen hatte, blieben Chancen für die Gäste aus dem Odenwald aus. Den Schlusspunkt setzte schließlich Zoe Dudek, die 15 Minuten vor dem Ende zum 4:0-Endstand traf.
Nach ihrem erst zweiten Spiel steht für die Elf von Chris Dietz nach wie vor die fast makellose Bilanz von sechs Punkten und 7:1 Toren zu Buche. Bleibt Bornheim in dieser Spur, könnte sich das Team durch die anstehenden Nachholpartien im November weit nach vorne schieben. Für Dietz ist das noch Zukunftsmusik: „Im Moment läuft es super, die Stimmung ist gut. Wenn wir diesen Flow behalten, müssen wir uns keine Sorgen machen. Der Klassenerhalt bleibt aber Saisonziel Nummer eins.“
C.S.