Der Feind im Spiegel
Fast wirkte es wie ein Déjà-vu: Wieder einmal standen Bornheims Fußballerinnen nach dem Schlusspfiff enttäuscht am Spielfeldrand, wieder einmal war das kurz zuvor zu Ende gegangene Hessenliga-Spiel verloren worden und wieder einmal stellte sich allen Beteiligten die Frage nach der Vermeidbarkeit dieser Niederlage.
Auch wenn man in der Bilanz zu dem Ergebnis kommen konnte, dass der Tabellendritte aus dem benachbarten Dortelweil in der Summe das an diesem Nachmittag etwas bessere Team gewesen war, überwog im Bornheimer Lager die Einschätzung, dass ergebnistechnisch mehr möglich gewesen wäre. Trotz allem stand am Ende eine 1:3-Niederlage, deren Entstehung man sich jedoch durchaus selbst zuzuschreiben hatte.
„Dass wir heute mit leeren Händen dastehen, ist ärgerlich“, war Bornheims Abteilungsleiter Christoph Schaaff dementsprechend unzufrieden. „Wir haben trotz des Ausfalls einiger wichtiger Spielerinnen gut dagegengehalten, uns aber selbst um den Lohn für unsere Arbeit gebracht“, fand Schaaff. „Leider sind es immer wieder die eigenen Fehler, die zu Gegentoren und damit am Ende zur Niederlage führen. Das ist zurzeit das immer wiederkehrende Muster in unserem Spiel. So gesehen sind wir momentan für uns selbst der größte Gegner“.
Keine 2 Minuten waren im Duell zwischen Dortelweil und Bornheim gespielt, als der Ball bereits das erste Mal im Netz des Aufsteigers zappelte. Dabei war es Dortelweils Nola Bawidamann, die mit einem Kunstschuss fast von der Torauslinie Zerikan Atakci im Bornheimer Tor zum 1:0 überwinden konnte. Ein Gegentreffer, der aus vielerlei Hinsicht in Entstehung und Ausführung nicht hätte fallen dürfen.
Trotz des frühen Rückschlags ließ sich die Elf von Trainer Tarik Cosovic aber nicht beeindrucken. Der an diesem Tag beste Angriff der Bornheimerinnen, führte nach 26 Minuten zum Ausgleichstreffer durch Louise Wiegelmann. Mit einem genau getimten Ball von Greta Riemenschneider bedient, konnte sich Lina Zeller auf der linken Außenbahn durchsetzen. Deren Hereingabe fand Wiegelmann am langen Pfosten, die den Ball zum 1:1 im Tor versenken konnte.
Bis kurz vor dem Halbzeitpfiff konnte Bornheim das Match ergebnistechnisch offen gestalten. Somit bedurfte es aus Dortelweiler Sicht eines Standards, um mit dem Pausenpfiff erneut in Führung zu gehen. Ein völlig überflüssiges Foulspiel knapp 18 Meter vor dem Bornheimer Tor, führte zu einem Freistoß, den Dortelweils Emily Hesselbach zum 2:1-Führungstreffer verwandeln konnte. Zur Geschichte der Bornheimer Fehlerkette an diesem Nachmittag gehörte dabei, dass die Mauer bei diesem Treffer keine allzu glückliche Figur abgab. Folgerichtig nahmen die Gastgeberinnen die knappe Führung mit in die Pause.
Vielleicht hätte die Partie nach dem Seitenwechsel eine andere Richtung einschlagen können, als Schiedsrichter Dominik Magel in der 50. Minute nach einem Handspiel im Sechzehner auf Strafstoß für Bornheim entschied. Die große Gelegenheit das Match gefühlt wieder auf Null zu stellen, verpasste jedoch Greta Riemenschneider die den Ball vom Elfmeterpunkt aber über das Tor setzte.
Auch wenn Dortelweil sich weiterhin, wie schon in Halbzeit eins ein spielerisches Übergewicht erspielen konnte, blieb Bornheim nach wie vor gut in der Partie, ohne allerdings entscheidende Akzente nach vorne setzen zu können. Als Luisa Marie Gaudl nach 60 Minuten im Anschluss an einen Eckball das 3:1 für den SC Dortelweil erzielen konnte, waren es einmal mehr Unzulänglichkeiten in der Bornheimer Defensive, die diesen Gegentreffer begünstigten. Zwar konnte Atakci den ersten Versuch noch parieren, jedoch erwiesen sich die Gastgeberinnen als handlungs- und gedankenschneller und kamen im zweiten Versuch doch noch zu ihrem dritten Treffer und damit zur Entscheidung.
Sicherlich wäre in den verbleibenden 30 Minuten noch ausreichend Zeit gewesen, um vielleicht doch einen Punkt mitnehmen zu können, jedoch ließ Bornheim die notwendige Entschlossenheit vermissen, um sich noch einmal entscheidend gegen die drohende Niederlage wehren zu können.
Am Ende blieb es bei der bitteren Erkenntnis, dass auch diese Niederlage vermeidbar gewesen wäre. „Wir haben wieder gezeigt, dass wir mit allen mithalten können. Wenn wir aber am Schluss keine Punkte mitnehmen, können wir uns dafür nichts kaufen. Heute war für uns definitiv mehr drin“, war Cosovic verständlicherweise unzufrieden.
Weiterhin im Rennen im Kampf um den Aufstieg in die Gruppenliga bleibt Bornheims 1 b, die mit dem 1:5 beim FC Kronberg 3 weitere wichtige Punkte im Aufstiegsrennen einfahren konnte. Da mittlerweile feststeht, dass auch Platz 2 für den direkten Aufstieg reichen wird, sind die Bornheimer Chancen zwischenzeitlich noch einmal deutlich gestiegen. Mit jetzt 31 Zählern rangiert die SG mit 3 Punkten Rückstand auf das Führungsduo aus Mittelbuchen und Haitz auf Platz 3 und empfängt am kommenden Samstag auf dem heimischen Kunstrasen den Tabellenführer aus Mittelbuchen zum vorentscheidenden Showdown.
Zuvor hieß es jedoch für die Truppe von Trainer Chris Dietz gegen den Tabellenvorletzten aus dem Taunus seine Hausaufgaben zu machen und nicht ein weiteres Mal unnötig Punkte liegen zu lassen. Dementsprechend motiviert startete Bornheim in die Partie und lag bereits nach 3 Minuten durch Treffer von Livia Lass und Xenia Plesowski -die die gegnerische Keeperin zuvor mit einem Lupfer überwinden konnte, mit 2:0 in Front. Danach fand Kronberg zwar besser ins Spiel, doch konnte Darina Prissjashnik nach einem schönen Schnittstellenpass von Sabine Abdulahi noch vor der Pause auf 3:0 (41.) erhöhen und untermauerte damit die Ambitionen auf den dringend benötigten Dreier für ihr Team.
Zwar gelang Kronberg nach der Pause durch Jolien Lippitz noch das zwischenzeitliche 3:1 (58.) jedoch beseitigte Isabel Ilk 20 Minuten vor dem Ende mit einem fulminanten 35-Meter-Freistoß zum 4:1 (70.) auch die letzten verbliebenen Zweifel an einem Bornheimer Erfolg. Für den Schlusspunkt sorgte schließlich Bornheims Top-Torjägerin Sabine Abdulahi die mit ihrem 15. Saisontreffer auf 5:1 (84.)stellen konnte.
Nach dem Match lobte Dietz sein Team für die Energieleistung nicht nur im aktuellen Spiel, sondern auch den letzten Wochen: „Das wir uns das jetzt so erarbeitet haben, immer noch im Rennen um den Aufstieg mitmischen zu können, hat sich das Team absolut verdient“.
In den beiden nächsten Spielen gegen Mittelbuchen und Bad Nauheim wird es darum gehen, gegen zwei Mitbewerber um den Aufstieg zu punkten. „Wir waren gefühlt schon raus aus dem Aufstiegsrennen, sind jetzt aber wieder mit im Lostopf. Eigentlich haben wir im Gegensatz zur Konkurrenz nichts zu verlieren“, sieht Dietz den Druck eher bei den anderen Teams.
CS