Siegen aus Leidenschaft
Siegen aus Leidenschaft: So lautet der Titel eines Buches von Peter Fischer, Ex-Präsident von Eintracht Frankfurt. In diesem Buch beschreibt Fischer, dass neben der Leistung, die Leidenschaft der entscheidende Motor für den Erfolg sei. Und eben genau diese Leidenschaft war es, die die Bornheimer Frauenteams am Ende des vergangenen Spieltags zum Sieg geführt hatte.
Noch lange nach Spielschluss viel es Mannschaft, Trainer und Verantwortlichen im Bornheimer Lager schwer, das kurz zuvor beendete Match und vor allem dessen Ausgang in Worte fassen zu können. Bis in die Nachspielzeit hatte Bornheims 1 b gegen den FC Mittelbuchen II mit 0:1 hinten gelegen, bevor schließlich Sabine Abdulahi und Dilara Günes doch noch ein schon verloren geglaubtes Spiel drehen konnten.
„Das war schon ein bisschen FC Bayern-Like“ fand Bornheims Sportlicher Leiter Christoph Schaaff mit einem leichten Augenzwinkern, der das so eben Erlebte auch noch lange nach dem Schlusspfiff kaum fassen konnte. „Dass wir dieses Spiel am Ende doch noch auf unsere Seite ziehen konnten, war sicherlich glücklich. Das war heute keine gute Leistung von uns. Was aber unter dem Strich in unserer Situation zählt, sind die 3 Punkte“, resümierte Schaaff, der aber auch Verständnis für die große Enttäuschung beim Gegner hatte: „Ein solch wichtiges Spiel am Ende so zu verlieren ist natürlich bitter, aber auch das ist Teil unseres Sports“, so Schaaff.
In den vorausgegangenen 90 Minuten hatten beide Teams den Zuschauerinnen und Zuschauern an der Berger Straße absolute fußballerische Magerkost geboten, die eines Spitzenspiels eigentlich nicht würdig gewesen war. Vielleicht war es der Umstand, dass sich beide Teams der Tragweite dieser Begegnung vollauf bewusst waren.
Nach einem guten Start für Bornheim, sorgte die frühe verletzungsbedingte Auswechslung von Darina Prissjashnik für einen ersten Nackenschlag für die Gastgeberinnen. Der Zweite sollte folgen, als der FC Mittelbuchen nach 21 Minuten durch Celina Limpert mit 1:0 in Führung gehen konnte. Allerdings war nach Meinung der Bornheimerinnen diesem Führungstreffer ein Foulspiel der Torschützin an Nicole Huke vorangegangen, das der Unparteiische jedoch ungeahndet ließ.
Auch wenn die Führung dem Spiel der Gästeelf deutlich mehr Auftrieb verlieh, blieben weitere Torchancen aus. Da aber auch Bornheim außer einem Kopfball von Vera Klingebiel wenig Konstruktives zu bieten hatte, ging es mit der knappen Führung für Mittelbuchen in die Halbzeitpause.
Wer auf Bornheimer Seite gehofft hatte, dass das eigene Team im Wissen um den dringend benötigten Sieg eine Schippe würde drauflegen können, wurde dieser Hoffnung schnell beraubt. Auch in Halbzeit zwei blieb die Partie ein Spiel auf höchst übersichtlichem Niveau und fast hatte man den Eindruck, dass der fast schon finale Charakter dieses Spiels mehr und mehr wie eine Zentnerlast auf den Schultern der 22 Akteurinnen liegen würde.
Ein zusätzlicher Stimmungsdämpfer war zudem die Verletzung von Bornheims Paulina Schuster, die sich bei einem Zweikampf einen Unterarmbruch zuzog und für die beiden finalen Spiele ausfallen wird.
Als Bornheim in der Schlussphase mit Blick auf den unbedingt notwendigen Sieg all in ging, nahm das Match eine nicht mehr für möglich gehaltene dramatische Wendung. Zunächst war es Xenia Plesowski, die nach einem Eckball mit dem Hinterkopf nur den Pfosten traf (84.) und damit ein mögliches 1:1 verpasste. Während Mittelbuchen in den Schlussminuten nicht mehr viel entgegenzusetzen hatte, drängte Bornheim jetzt vehement in Richtung des gegnerischen Tores und belohnte sich schließlich für seinen Einsatz.
Nachdem zunächst Sabine Abdulahi im Nachgang an eine Ecke einmal mehr ihre Qualitäten als Torjägerin unter Beweis gestellt und zum 1:1 (89.) ausgeglichen hatte, war es Dilara Günes, die praktisch mit dem Schlusspfiff den kurz zuvor noch in weiter Ferne liegenden Bornheimer Sieg mit ihrem Treffer zum 2:1 (90.+7) unter Dach und Fach bringen konnte.
Auch Bornheims Coach Chris Dietz konnte nach dem Schlusspfiff sein Glück kaum fassen: „Das war heute eine mentale Glanzleistung meiner Mannschaft“, jubelte Dietz. „Wir haben allen Widrigkeiten getrotzt und uns damit in eine Ausgangslage gebracht, dass wir sogar alles wieder selbst in der Hand haben“, blickte Dietz bereits auf die noch 2 ausstehenden Spiele gegen Bad Nauheim und Langenselbold. „Wenn wir da 6 Punkte mitnehmen, sind wir durch“ rechnete der Bornheimer Trainer vor, der mit seiner Elf in den letzten 4 Spielen einen Rückstand von 8 Punkten aufholen konnte und jetzt sogar die Tabellenführung in der Kreisoberliga übernommen hat.
Über ebenfalls 3 extrem wichtige Punkte durfte man sich auch bei Bornheims 1 a freuen. Mit einem 3:0-Heimerfolg über den MFFC Wiesbaden konnten Bornheims Hessenliga Fußballerinnen einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen.
„Wir waren heute von der tabellarischen Konstellation sicherlich nicht in der Favoritenposition, haben aber einmal mehr den Nachweis erbracht, dass wir absolut hessenligatauglich sind“, freute sich Trainer Tarik Cosovic über den Dreier.
Allerdings stand der Erfolg lange Zeit auf wackeligen Füßen. Wie schon so oft in dieser Spielzeit zeigte sich das Bornheimer Team mit dem Gegner auf Augenhöhe und war dem Tabellenvierten aus der hessischen Landeshauptstadt lange Zeit ebenbürtig. Während man aus einer stabilen Defensive heraus vor dem eigenen Tor dem Gegner nur wenig Entfaltungsmöglichkeiten bot, konnte Bornheim eine Umschaltsituation zum 1:0-Führungstreffer (42.) durch Mara Hambrock nutzen. In Anbetracht des bisherigen Spielverlaufs war die knappe Führung zur Halbzeitpause daher sicherlich nicht ganz unverdient.
War bis zum Seitenwechsel kein wirklicher Leistungsunterschied zwischen beiden Teams zu erkennen, änderte sich dieses Bild in den zweiten 45 Minuten zunehmend. Das Gäste-Team von Trainer Udo Schreiber übernahm mehr und mehr die Spielkontrolle und drängte Bornheim zunehmend in die eigene Spielhälfte. Über eine hohe Intensität im eigenen Spiel und mit großer Leidenschaft verteidigten die Bornheimerinnen rund um den eigenen Strafraum und kamen nur noch selten zu Entlastungsangriffen.
Nicht Wenige rechneten daher damit, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis dem MFFC der Ausgleichstreffer gelingen würde. Fast wäre es nach 65 Minuten auch so weit gewesen, als Wiesbadens Konimba Niasse frei zum Abschluss kam, jedoch die erstmals das Bornheimer Tor hütende Hannah David den Ball mit den Fingerspitzen gerade noch an die Querlatte lenken konnte.
Als Wiesbaden in der Schlussphase das Risiko erhöhte, war es Hambrock, die bei einem der wenigen Bornheimer Konter, die weit vor ihrem Kasten stehende Wiesbadener Schlussfrau Svenja Rode zwar mit einem Heber überwinden konnte, den Ball dabei jedoch über das Tor setzte.
Beinahe hätte es dafür im Gegenzug auf der anderen Seite im Bornheimer Kasten geklingelt, jedoch konnte auch hier Hannah David für ihr Team einen möglichen Ausgleichstreffer verhindern. So war es schließlich der nach längerer Verletzungspause erstmals wieder eingewechselten Lilly Wiegelmann vorbehalten, mit einem Doppelpack (90.+1/90.+4) das Spiel endgültig zugunsten der Bornheimerinnen zu entscheiden.
„ Wir mussten 45 Minuten lang leiden, haben aber am Ende alles wegverteidigt was auf unser Tor kam. Auf diese Leistung kann die Mannschaft wahnsinnig stolz sein. Einsatz und Teamgeist haben heute zu 100% gestimmt. Nicht zuletzt deswegen geht unser Sieg in Ordnung, auch wenn Wiesbaden in der zweiten Halbzeit das bessere Team war“, zog Trainer Tarik Cosovic Bilanz.
Am kommenden Wochenende reist Bornheim ins nordhessische Borken zum TuS Großenenglis. Hatte der kommende Gegner in der Vorrunde noch nach seiner Form gesucht und das Hinspiel in Bornheim klar mit 5:0 verloren, hat sich der erfahrene Hessenligist mittlerweile stabilisiert und belegt Platz 4 in der Tabelle.
„Das wird sicher keine leichte Aufgabe für uns“ weiß Cosovic, hofft aber auf den positiven Effekt aus dem aktuellen Erfolg. „Wenn wir die Leistung und die Energie aus dem heutigen Match mitnehmen können, werden wir sicher auch in Großenenglis bestehen können“, blickt Bornheims Trainer zuversichtlich auf die kommende Partie.
CS