Am rettenden Ufer
Sie haben es geschafft: Trotz einer neuerlich verspielten 2 Tore-Führung und dem Remis zum Saisonfinale in Egelsbach, haben Bornheims Hessenligafußballerinnen das rettende Ufer erreicht und dürfen sich über ein weiteres Jahr in Hessens höchster Spielklasse freuen.
„Das war ein echter Kraftakt mit vielen Höhen, Tiefen und Rückschlägen, aber wir haben es geschafft“, war Trainer Tarik Cosovic nach dem Saisonfinale gleichermaßen glücklich wie erleichtert. Bis lange nach dem Schlusspfiff hatte seine Elf auf dem Egelsbacher Kunstrasen warten müssen, bis endlich die entscheidenden Ergebnisse von den anderen Plätzen eingetroffen waren und der Ligaverbleib definitiv feststand.
Zweifelsohne hätte sich Bornheim das lange Warten ersparen können. Nicht zum ersten Mal hatte Bornheim auch in diesem Match bis in die Schlussphase mit 2 Toren in Front gelegen, um sich am Ende erneut mit nur einem Zähler begnügen zu müssen,
Die Ausgangslage vor dem Spiel war gleichermaßen dramatisch eng wie eindeutig gewesen. Mit Barockstadt Fulda, Hessen Kassel II und Bornheim waren 3 Teams mit jeweils 27 Punkten in das Saisonfinale gestartet und es war klar, dass eines dieser 3 Teams am Ende die Hessenliga würde verlassen müssen. Auf Bornheimer Seite war man sich der Tatsache bewusst, dass man mit einem Sieg bei den nur einen Zähler bessern Egelsbacherinnen die Klasse unabhängig von den Ergebnissen der Konkurrenz würde halten können.
Mit dem entsprechenden Engagement ging die SG dann auch in dieses Match. Unter hochsommerlichen Temperaturen entwickelte sich von Anfang an eine sehenswerte Partie. Zwar startete Bornheim etwas besser ins Match, doch gelang es auch den Gastgeberinnen immer wieder für Gefahr vor dem gegnerischen Kasten zu sorgen.
Die erste wirkliche Torchance sollte auf das Konto der Bornheimerinnen gehen, jedoch fand der Versuch von Lilli Wiegelmann nicht sein Ziel. Eine erste gute Gelegenheit für die Gastgeberinnen bot sich kurz darauf Melissa Cibrao Gomes, die bei Ihrem Versuch auf die kurze Ecke aber an Keeperin Hannah David im Bornheimer Tor scheiterte.
Kurz darauf war es Jule Schanbacher, die Bornheim mit 0:1 (18.) in Führung schießen konnte. Nach einem langen Diagonalball konnte Schanbacher den Ball im Sechzehner aufnehmen und überwand Sofia Edwards im Egelsbacher Tor zum Führungstreffer. Noch vor der Pause hätte erneut Schanbacher bei zwei weiteren guten Torgelegenheiten für eine beruhigende Halbzeitführung sorgen können. Während Bornheims Nr. 29 beim ersten der beiden Versuche freistehend etwas überhastet vergab, war es bei einem weiteren Schuss Keeperin Edwards, die das Leder gerade noch mit den Fingerspitzen über die Querlatte lenken konnte. Mit dem knappen Vorsprung für das Gästeteam verabschiedeten sich beide Mannschaften in die Halbzeitpause.
Den besseren Start in den zweiten Durchgang erwischten abermals die Bornheimerinnen. Nach einer präzisen Flanke von der rechten Außenbahn, war Lilly Wiegelmann zur Stelle jedoch war es am Ende eine Egelsbacherin, die den Ball zum 0:2 (61.) im eigenen Tor versenkte.
In Anbetracht der Tatsache, dass eine Niederlage gegen Bornheim in einem Abstieg hätte münden können, erhöhte Egelsbach in der Folge jetzt die Schlagzahl und das Risiko. Bei der bis dahin besten Gelegenheit für Egelsbach prüfte Katharina Jacobs mit ihrem Versuch Hannah David, die sich jedoch erneut als Meisterin ihres Faches präsentierte und den scharf geschossenen Ball noch um den Pfosten drehen konnte.
Hatte Bornheim in der Vergangenheit bereits zweimal in der Schlussphase eines Spiels eine 2 Tore-Führung leichtfertig hergeschenkt, sollte diesmal der dritte Akt des Dramas folgen. Nach einem gleichermaßen überflüssigen wie vermeidbarem Foulspiel 20 Meter vor dem eigenen Tor, war es Egelsbach an diesem Tag stärkste Akteurin Katharina Jacobs, die den Ball in die lange Ecke zirkeln konnte und das Spiel ihrer Elf damit zu neuem Leben erweckte.
Der nun immer größer werdende Druck in Richtung des Bornheimer Tores mündete 3 Minuten vor dem Spielende im 2:2- Ausgleichstreffer, dem abermals eine Standardsituation zugrunde lag. Nach einem vor das Tor getretenen Freistoß war es erneut Jacobs, die am langen Pfosten zur Stelle war und zum viel umjubelten Ausgleichstreffer einnicken konnte.
Mit dem Wissen um die möglicherweise dramatischen Folgen eines weiteren Gegentreffers, stemmte sich Bornheim in den verbleibenden Minuten vehement gegen das Egelsbacher Angriffsspiel und verteidigt schließlich den einen, am Ende überlebensnotwendigen Zähler.
Während die Gastgeberinnen unmittelbar nach dem Schlusspfiff bereits den sicheren Klassenerhalt feiern durften, musste Bornheim dagegen scheinbar endlos lange Minuten warten, bis endlich die Ergebnisse auf den anderen Plätzen bekannt waren. Dank des klaren 12:0-Erfolgs von BG Marburg gegen die SG Barockstadt Fulda, konnte sich Bornheim dank des Punktgewinns in Egelsbach in der Tabelle an den Barockstädterinnen vorbeischieben, die am Ende eines dramatischen letzten Spieltages den bitteren Gang zurück in die Verbandsliga antreten müssen.
„Natürlich überwiegt im Augenblick die Freude über den geschafften Klassenerhalt“ atmete Bornheims Abteilungsleiter Christoph Schaaff nach dem Spielende erst einmal durch. „Wir müssen aber auch sehen, dass wir uns heute das Leben einmal mehr selbst schwer gemacht haben. Wir haben mit dem heutigen Spiel bereits zum dritten Mal in der Schlussphase völlig überflüssigerweise Punkte hergeschenkt. Hätten wir diese Zähler plus die zwei verlorenen von heute jetzt mehr auf dem Konto, wären wir in der Abschlusstabelle 5.ter und wären erst gar nicht in die für uns so bedrohliche Situation gekommen“, gab Schaaff zu bedenken.
Auch Coach Tarik Cosovic zog bereits ein erstes Fazit der Saison: „Wir haben uns als Team in den letzten Wochen zwar ständig weiterentwickelt, haben aber in manchen Situationen auch entscheidende Fehler gemacht. Jetzt heißt es aus diesen Fehlern zu lernen und das ein oder andere in der neuen Saison besser zu machen“, bilanzierte Bornheims Coach.
Nachdem jetzt feststeht in welcher Spielklasse Bornheims 1 a in der neuen Saison an den Start gehen wird, heißt es für die Verantwortlichen jetzt die entsprechenden Weichen zu stellen. „Wir werden im Kader die ein oder andere Veränderung haben, da es Spielerinnen gibt, die wegen Auslandsaufenthalten oder Umzug Frankfurt verlassen werden und uns damit für die kommende Saison nicht mehr zur Verfügung stehen“ sagt Schaaff. „Natürlich sind wir bereits mit potenziellen Neuzugängen in Gesprächen aber natürlich wollen Spielerinnen auch wissen, in welcher Liga sie an den Start gehen werden. Auch aus diesem Grund war der Klassenerhalt für uns enorm wichtig, denn mit der Hessenliga liest sich das Portfolio das wir bieten können, sicherlich besser“, gibt Schaaff zu bedenken.
CS