David schlägt Goliath
Mit einem überraschend klaren 1:4-Auswärtserfolg beim amtierenden Vizemeister TSG Lütter konnte die SG Bornheim ein erstes dickes Ausrufezeichen in der noch jungen Hessenliga-Saison setzen. Hatte man sich vor dem Match noch in der Rolle des klaren Außenseiters gewähnt, durfte sich das Team nach umkämpften 90 Minuten umso mehr über drei weitere Zähler auf dem eigenen Punktekonto freuen.
Insbesondere in den ersten 30 Minuten sahen die Zuschauer auf der Sportanlage am Sauerbrunnen im osthessischen Eichenzell eine ausgeglichene Begegnung, die trotz leichter Vorteile auf Bornheimer Seite weitestgehend ohne nennenswerte Torgelegenheiten blieb.
Auf dem harten und unebenen Untergrund taten sich die Bornheimerinnen anfänglich noch etwas schwer, eine spielerische Linie zu finden und technisch sauberen Fußball zu präsentieren. Mit zunehmender Spieldauer gelang es der SG aber immer besser, sich auf die Platzverhältnisse einzustellen. Vor allem über die Außenbahnen konnte die Mannschaft immer wieder gute Angriffe inszenieren.
Für das einzige – aus Bornheimer Sicht aber entscheidende – Highlight der ersten halben Stunde sorgte Neuzugang Ayana Toyoda. Mit einem fulminanten Freistoßkracher aus 30 Metern genau in das obere Toreck brachte die Mittelfeldakteurin ihr Team in der 18. Minute mit 0:1 in Front und sorgte für den ersten Jubel im Bornheimer Lager.
War das Spiel bis dahin mit Ausnahme des Toyoda-Treffers ohne größere Höhepunkte verlaufen, überschlugen sich in den letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit die Ereignisse. Nachdem sich im Anschluss an einen Freistoß eine erste Torgelegenheit für die Gastgeberinnen ergeben hatte, war es auf der Gegenseite Lina Zeller, die aus kürzester Distanz das 0:2 verpasste.
Eben noch dicht vor dem Ausbau der Führung stehend, hätte sich Bornheim nur wenig später nicht über den Ausgleich beklagen dürfen: Nach einem versprungenen Ball tauchte Lütters Lena Grosser allein vor Keeperin Lara Krämer auf, scheiterte mit ihrem Abschluss jedoch an der hervorragend reagierenden Bornheimer Schlussfrau.
Auch danach gab es kein Durchatmen. Fast wäre Bornheim praktisch mit dem Pausenpfiff Treffer Nummer zwei gelungen, doch Lilly Wiegelmann scheiterte aus aussichtsreicher Position an Lütters Torhüterin Lea Schaab. So ging es mit der knappen, aber verdienten Führung für das Gästeteam in die Halbzeitpause.
Wie nicht anders zu erwarten, kam die Heimelf mit dem deutlich erkennbaren Willen aus der Pause, dem Spiel eine Wendung zu geben. Der Lohn für die Elf von Trainer Julian Treidler folgte prompt: Keine drei Minuten waren im zweiten Abschnitt absolviert, als ein von Jana Bott getretener Freistoß für den 1:1-Ausgleich (48.) sorgte.
Mit diesem Aufwind im Rücken folgte die stärkste Phase der TSG. Kurz darauf ereignete sich die wohl entscheidende Schlüsselszene der Begegnung: Nach einem völlig missratenen Bornheimer Rückpass überwand Jana Bott mit einem Heber zwar die weit aufgerückte Lara Krämer im Bornheimer Tor, setzte den Ball aber letztendlich knapp über den Querbalken. Eine Szene, die die Begegnung womöglich zugunsten der Gastgeberinnen hätte entscheiden können.
Mit dem nötigen Glück auf ihrer Seite, befreite sich die SG schnell wieder aus der spürbaren Umklammerung und fand ihre Linie wieder. Nach einem vorangegangenen Lattenkracher von Nola Bawidamann und der anschließenden Hereingabe von der rechten Außenbahn tauchte Louise Wiegelmann am langen Pfosten auf und drückte den Ball zur erneuten Führung (71.) über die Linie.
Für die Vorentscheidung sorgte wenig später Nola Bawidamann selbst, die in der 80. Minute auf 1:3 erhöhen konnte. Den spektakulären Schlusspunkt setzte nur drei Minuten später erneut Ayana Toyoda: Mit einem weiteren sehenswerten Freistoßtreffer stellte sie den 1:4-Endstand (83.) her und brachte Bornheim damit endgültig auf die Siegerstraße.
Nach dem Abpfiff sparte Trainer Tarik Cosovic nicht mit Lob für sein Team: „Wir haben auch heute wieder alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben, und für alle Herausforderungen eine Lösung gefunden. Deshalb ist unser Sieg vollkommen verdient. Es macht gerade unglaublich viel Spaß zu sehen, wie wir uns Woche für Woche weiterentwickeln und auf dem Platz präsentieren.“
Auch auf der Seite der TSG Lütter erkannte man den Bornheimer Erfolg neidlos an: „Bornheim war von Anfang an galliger und hat uns vielleicht auch ein bisschen überrascht, was die bisherigen Ergebnisse so nicht ausgesagt haben. Am Ende ist die Niederlage aber vielleicht ein Tor zu hoch ausgefallen“, lautete das ehrliche Fazit von Christian Peikert aus dem Trainerteam der TSG.
Durch den Erfolg konnte Bornheim den hervorragenden zweiten Tabellenplatz in der Frauen-Hessenliga vorerst verteidigen. Ungeachtet dessen wollen Cosovic und seine Elf auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Am kommenden Wochenende empfängt Bornheim an der Berger Straße den Tabellenletzten TSV Klein-Linden, den es keinesfalls zu unterschätzen gilt: „Klein-Linden hat zwar zahlreiche gute Spielerinnen an Marburg verloren, wird aber dennoch ein weiterer Prüfstein für uns sein“, weiß Bornheims Coach. „Trotzdem wollen wir natürlich die drei Punkte in Bornheim behalten und damit die drei heute gewonnenen Punkte veredeln.“
Mit zweiwöchiger Verspätung ist mittlerweile auch Bornheims 1B in den Spielbetrieb der Gruppenliga Frankfurt gestartet. Mit einem 1:3-Erfolg bei der SG Wiking Offenbach feierten die Aufsteigerinnen einen erfolgreichen Saisonauftakt und zeigten dabei eine überzeugende Leistung.
Nach einer laut Trainer Christian Dietz überragenden ersten Halbzeit lag sein Team bereits zur Pause durch Treffer von Zoe Dudek (13.), Ana Sofia Costa Werner (18.) und Xenia Plesowski (40.) komfortabel mit 0:3 in Front. Der Bornheimer Führungstreffer resultierte aus einem direkt verwandelten Freistoß, ehe Costa Werner nach Zuspiel von Dudek auf 0:2 erhöhte. Kurz vor dem Pausenpfiff war es schließlich Plesowski, die ein Eins-gegen-Eins-Duell gegen Wiking-Torhüterin Laura Nagel für sich entschied.
Nach dem Seitenwechsel zeigten sich die Gastgeberinnen deutlich besser auf das Bornheimer Spiel eingestellt. Zudem ließ die Elf von Christian Dietz im zweiten Abschnitt ein wenig die Entschlossenheit der ersten 45 Minuten vermissen. Am Ende reichte es für die Wikingerinnen aber nur noch zum Ehrentreffer, als Catherine Seggewiss (59.) einen Freistoß zum 1:3-Endstand im Bornheimer Gehäuse versenken konnte.
Nach dem Spielende zeigte sich der Bornheimer Coach rundum zufrieden:
„Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt, das Match klar dominiert und den Ball gut laufen lassen“, lobte Dietz. „Insgesamt haben wir heute vieles richtig gemacht und das Spiel völlig verdient gewonnen. Die Stimmung und der Teamspirit sind gut – das wollen wir für die kommenden Aufgaben mitnehmen.“
C.S.