Effizienz die überrascht

Nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge haben sich Bornheims Hessenliga-Fußballerinnen eindrucksvoll zurückgemeldet. Mit einem gleichermaßen klaren wie verdienten 4:0-Auswärtserfolg beim MFFC Wiesbaden stoppte die Elf von Trainer Tarik Cosovic den zwischenzeitlichen Negativtrend. In der Tabelle belegt Bornheim nun Platz 4 und bleibt damit Teil der Verfolgergruppe hinter den beiden noch ungeschlagenen Teams aus Marburg und Haitz. Einen Dämpfer kassierte hingegen die Bornheimer 1b, die beim Tabellenführer Hassia Dieburg mit 0:4 unterlag.

In Anbetracht der angespannten personellen Situation war die Cosovic-Elf mit Sorgenfalten in die hessische Landeshauptstadt gereist. Neben den fast schon obligatorischen Ausfällen durch Verletzungen und Abwesenheiten kamen kurz vor dem Spieltag noch krankheitsbedingte Sorgen hinzu. Obwohl der Kader am Ende 14 Spielerinnen umfasste, blieben Cosovic kaum Wechseloptionen. Das führte zu einer kuriosen Premiere: Ab der 75. Minute feierte Torhüterin Zerikan Atakci ihr Ligadebüt als Feldspielerin.

Hatte die erste Mannschaft zuletzt noch mit der Effizienz vor dem gegnerischen Tor gehadert, präsentierte sie sich diesmal eiskalt und ungewohnt effizient. Dabei deutete in den ersten 45 Minuten noch nichts auf den späteren klaren Erfolg hin. Die Gastgeberinnen erwischten zunächst den etwas besseren Start: Nach einem präzisen Zuspiel kam Fiona Röhrig im Bornheimer Sechzehner frei zum Abschluss, setzte den Ball jedoch knapp am Pfosten vorbei.

Auf der Gegenseite verfehlte Ayana Toyoda bei einem Freistoß aus aussichtsreicher Position das obere Toreck um Haaresbreite. In einer ansonsten chancenarmen ersten Hälfte schlugen die Bornheimerinnen kurz vor dem Pausenpfiff eiskalt zu. Nach einer Hereingabe von Amy Kollien Berend nahm Lilly Wiegelmann den Ball am Elfmeterpunkt frei an und sorgte für die 1:0-Führung (42.). Ein zu diesem Zeitpunkt etwas glücklicher Vorsprung, da Wiesbaden kompakter gewirkt und Bornheim dem Gegner zu große Freiräume gelassen hatte.

Nach der Pause folgte auf den durchwachsenen Auftritt eine deutliche Leistungssteigerung der Frankfurterinnen. Begünstigt wurde dies auch dadurch, dass die Heimelf ihre defensive Kompaktheit mehr und mehr verlor. In der 62. Minute belohnte Lilly Wiegelmann die Bornheimer Bemühungen: Mustergültig per Steckpass bedient, erhöhte die Top-Torjägerin mit ihrem fünften Saisontreffer auf 2:0 – auch wenn Wiesbaden bei der Torentstehung wohl nicht zu Unrecht eine Abseitsposition reklamierte.

Mit der komfortablen Führung im Rücken hatte die SG das Spiel fest im Griff. Nur acht Minuten später machte Louise Wiegelmann mit dem 3:0 (70.) vorzeitig den sprichwörtlichen Sack zu. Während Wiesbaden keine Mittel mehr fand, um das Bornheimer Tor zu gefährden, setzte Louise Wiegelmann kurz vor dem Ende den glanzvollen Schlusspunkt: Mit einem herrlichen Schlenzer über Keeperin Hannah Augustin hinweg traf sie von der Strafraumkante zum 4:0-Endstand.

Trainer Tarik Cosovic fand nach Spielende vor allem lobende Worte für die zweite Halbzeit: „Für uns war es das erwartet schwere Spiel. Vor allem vor der Pause haben wir uns sehr schwergetan, uns in der Kabine aber noch einmal neu sortiert. Danach haben wir ein sehr gutes Spiel gezeigt, standen defensiv kompakter und sind besser in die Räume gekommen. Deswegen geht unser Erfolg völlig in Ordnung.“

Ein weiteres Highlight der Partie war das Debüt von Felicitas Werthmann. Die im Sommer von Concordia Eschersheim nach Bornheim gewechselte B-Juniorin hatte erst unter der Woche ihr vorzeitiges Spielrecht für den Frauenbereich erhalten und feierte in den Schlussminuten ihre Premiere im Bornheimer Trikot.

Am kommenden Wochenende hat Bornheim jetzt erst einmal die Möglichkeit zur Regeneration. Die Cosovic-Elf ist dann spielfrei, da die Partie in Egelsbach auf den 04.11.26 verschoben wurde. „Eigentlich würden wir gerne den Schwung aus dem Sieg gegen Wiesbaden mitnehmen. In Anbetracht der aktuellen Personalsituation ist es auf der anderen Seite aber auch nicht verkehrt, dass wir nicht spielen müssen“, blickt Cosovic mit gemischten Gefühlen auf die derzeitige personelle Lage der Bornheimer Frauenteams.

Einen bitteren Nachmittag erlebte Bornheims 1b beim Spitzenreiter FSG Hassia Dieburg. Zwar stand am Ende auch hier ein 4:0 auf der Anzeigetafel, jedoch fielen die Treffer aus Bornheimer Sicht auf der falschen Seite.

Bereits in der 18. Minute schlug Dieburgs Torjägerin Viviane Höf per Freistoß zum 1:0 zu. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte erhöhte Antje Vahl auf 2:0 (45.+3) und dämpfte damit die Bornheimer Hoffnungen auf einen Erfolg erheblich. Obwohl sich Bornheim über die gesamte Spielzeit hinweg immer wieder eigene Gelegenheiten erarbeitete, blieben diese ungenutzt. Auf der Gegenseite machte Höf mit zwei weiteren Treffern (65./85.) den Heimsieg der Dieburgerinnen schließlich perfekt.

Trainer Chris Dietz zog ein ernüchterndes Fazit: „Wir waren heute personell nicht optimal für ein solches Spiel aufgestellt und konnten auch sonst unser Potenzial nicht abrufen. Wenn man dann die eigenen Chancen nicht nutzt, wird es gegen einen solchen Gegner natürlich schwer.“

Über ein spielfreies Wochenende durfte sich Bornheims 1c freuen, die in der Vorwoche trotz großer Personalsorgen einen 2:0-Erfolg gegen die SpVgg. Oberrad II gefeiert hatte. Überschattet wurde dieser Sieg jedoch von einer schweren Verletzung von Torhüterin Kay-Jana „Kaya“ Rütters, die sich bei einem Sturz eine Schultereckgelenkssprengung zuzog und bereits operiert werden musste.

„In erster Linie sind unsere Gedanken jetzt bei Kaya, der wir eine schnelle und baldige Genesung wünschen“, erklärte Abteilungsleiter Christoph Schaaff, bei dem die Freude über den Erfolg angesichts der Schwere der Verletzung deutlich getrübt war. „Wir alle drücken Kaya die Daumen, dass der Heilungsprozess ohne Komplikationen verläuft und sie bald wieder bei uns auf dem Platz stehen kann.“

C.S.