Gruselkick statt Fußballzauber

Versteinerte Mienen nach dem Abpfiff: Schiedsrichter Bedikian aus Hanau hatte gerade das prestigeträchtige Stadtderby zwischen Bornheim und der Spielvereinigung Oberrad abgepfiffen und sich auf den Weg in die Kabine gemacht. Zurück auf dem Platz blieben auf der einen Seite jubelnde Oberräderinnen, auf der anderen Seite ein tief frustriertes Bornheimer Team, das am Ende trotz einer 1:0-Führung das Match mit 1:2 aus der Hand gegeben hatte.

„Wir müssen uns so ehrlich machen und eingestehen, dass wir das Spiel heute völlig verdient verloren haben“, suchte Bornheims Sportlicher Leiter Christoph Schaaff nach dem Schlusspfiff als Erster nach Worten. Und in der Tat hatten Bornheims Fußballerinnen insbesondere in den zweiten 45 Minuten passend zu Halloween einen echten Gruselkick geliefert.

Dabei erwischte Bornheim nur drei Tage nach dem kräftezehrenden Pokalaus gegen Hessenliga-Spitzenreiter SG Haitz (2:3) den besseren Start. Die erste große Chance bot sich Lilly Wiegelmann bereits nach 9 Minuten: Mit ihrem Heber konnte sie zwar die Ex-Bornheimerin Jannika Rullkötter im Oberräder Tor überwinden, setzte den Ball aber knapp am Kasten vorbei. Nur wenig später war es dann aber erneut Wiegelmann, die ihre Elf mit 1:0 (16.) in Front schoss.

Hatte die SG in den ersten 30 Minuten das Spiel noch fest im Griff, schwand die Überlegenheit mit zunehmender Spieldauer. Die erste Chance bot sich den Gästen nach 27 Minuten, als Johanna Biermann den Ball bei ihrem Versuch um Haaresbreite am Tor vorbeisetzte. Bis dahin hatte Bornheim in einem insgesamt schnellen und intensiven Spiel in der Defensive nur wenig zugelassen und im Mittelfeld viele Ballgewinne verbucht. Als Lara Flasdick nach 30 Minuten mit einem Aufsetzer auf die Latte das 2:0 verpasste, deutete noch nichts auf den nachfolgenden Bruch im Bornheimer Spiel hin. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass dies bis weit in die Schlussphase hinein die letzte gefährliche Offensivaktion der Elf von Trainer Tarik Cosovic bleiben sollte. Noch vor der Pause gelang es dem Aufsteiger aus Oberrad, das Spiel an sich zu reißen, und kam fast folgerichtig in der 43. Minute durch Emily Störmer zum 1:1-Ausgleich.

Den schwachen 15 Minuten vor der Halbzeit ließ Bornheim nach dem Wiederanpfiff weitere 45 noch schwächere Minuten folgen. Die Gastgeberinnen verloren jetzt vollends den Faden, Oberrad dagegen wirkte deutlich aggressiver und stresste die Bornheimerinnen mit hohem Pressing. Bornheim gelang es nicht mehr, Ruhe ins Spiel zu bringen oder selbst wirkungsvoll nach vorne Akzente zu setzen.

So kam es, wie es kommen musste: Wie schon vor dem 1:1 fand eine Hereingabe von der linken Seite in Oberrads Maike Salzmann eine dankbare Abnehmerin, die völlig freistehend im Sechzehner, keine Mühe hatte, ihr Team mit 2:1 (72.) in Führung zu bringen. Als Bornheim in den Schlussminuten alles nach vorne warf, wäre der Ausgleich noch möglich gewesen, doch bei der gefährlichsten Aktion scheiterte Lilly Wiegelmann mit einem spektakulären Fallrückzieher an Keeperin Rullkötter.

Von einer „extrem bitteren Niederlage“ sprach Trainer Tarik Cosovic: „Wir haben bei beiden Gegentoren nicht gut verteidigt. Zudem hat uns in den Zweikämpfen die Körperspannung gefehlt und wir haben nach vorne viele schlechte Entscheidungen getroffen.“ Cosovic nahm die Mannschaft aber direkt in die Pflicht: „Am Mittwoch im Nachholspiel in Egelsbach haben wir die Chance, vieles besser zu machen.“

Auch Schaaff blickte nach vorn: „Die Niederlage war ärgerlich und überflüssig. Jetzt gilt es, eine Reaktion zu zeigen und sich nicht selbst in einen negativen Sog zu ziehen. Letzten Mittwoch gegen Haitz waren wir mit dem Tabellenführer der Hessenliga auf Augenhöhe. Wenn wir uns so präsentieren, können wir jede Mannschaft schlagen.“

Etwas besser lief es für Bornheims 1b beim 2:2 gegen die Zweitvertretung des FC Mittelbuchen. Nach einem starken Auftakt brachte Xenia Plesowski Bornheim nach einem Solo mit 1:0 (5.) in Führung, die Celina Limpert jedoch prompt mit dem 1:1 (8.) konterte. Bornheim hatte im ersten Durchgang mehr Spielanteile, während Mittelbuchen auf Konter lauerte und kurz vor der Pause durch Nadine Hamburger (44.) etwas glücklich mit 1:2 in Führung ging.

Nach dem Seitenwechsel verlief die Partie ausgeglichener. Bornheim tat sich schwer, sich Torchancen zu erarbeiten, doch erneut Plesowski sicherte mit ihrem Treffer zum 2:2 (68.) nach etwas mehr als einer Stunde zumindest den Punkt. Trainer Chris Dietz bilanzierte: „Wir haben in der zweiten Halbzeit die nötige Intensität und Entschlossenheit vermissen lassen. Daher geht das Remis in Ordnung, auch wenn wir gerne alle drei Punkte hierbehalten hätten.“

Somit war es der 1c vorbehalten, für das Highlight des Wochenendes zu sorgen. Das Team von Spielertrainerin Nicole Pöltl stellte beim 20:0-Kantersieg gegen die TSG Neu-Isenburg dabei gleichzeitig einen Vereinsrekord auf – es war der höchste Sieg in der 23-jährigen Geschichte des Bornheimer Frauenfußballs. Ursächlich dafür war zugegebenermaßen aber auch, dass der Tabellenletzte nur mit neun Spielerinnen angereist war, sich aber jederzeit fair und im Rahmen seiner Möglichkeiten gegen die unvermeidliche Niederlage stemmte.

Bereits zur Pause war durch die Treffer von Sabrina Grebe (6./10./34./43.), Livia Lass (9./15.), Dilara Günes (27./32.) und Vera Klingebiel (8.) ein stattliches 9:0-Halbzeitresultat zustande gekommen. Auch nach dem Wechsel ging der Torreigen unvermindert weiter: Neben der erneut vierfach erfolgreichen Sabrina Grebe (47./48./55./83.) schraubten die eingewechselten Feier Gong (53./70./84./89.) und Sara Fülöp (64./65./73.) das Ergebnis auf Rekordhöhe.

Einziger Wermutstropfen war die Verletzung von Livia Lass, die in der ersten Halbzeit mit einer Bänderverletzung ausgewechselt werden musste und damit für den Rest des Jahres ausfallen wird.

Vor der Winterpause stehen für die Pöltl-Elf noch die Partien gegen die SG Wiking Offenbach II und das Nachholspiel gegen RW Großauheim an, bei denen das Team auf weitere sechs Punkte für eine gelungene Vorrunde hofft.

C.S.